Geschichte der Pfarrei

von Pfarrer Heribert Stiegler

1. DIE MUTTERPFARREI SALMANNSHOFEN

 

Die Ursprünge der Pfarrei Affaltern liegen in ihrer Nachbarschaft, dem kleinen Weiler Salmannshofen. Pfarrer Andreas Straubner, dem als Gründer der Albanusbruderschaft eine schöne Gedenktafel im Vorzeichen der Kirche gewidmet ist, vermerkt im Urbarium der Pfarrei Salmannshofen (1) , dass bereits 1262 dort eine Kirche errichtet wurde. Diese Jahreszahl konnte er selbst noch bis 1726 über dem Kirchenportal lesen (2). Patron dieser Kirche war der Heilige Johannes der Täufer(3). Als Zweitpatron nennt Straubner Sankt Vitus und als dritten den Heiligen Albanus. Der erste Pfarrer ist Conradus Lutz, der mitten im Kirchengang begraben lag. Er starb am 28. Mai 1264 (4).


An den 10. Kalenden des Januar 1282, das ist der 23. Dezember 1281, vermacht Graf Ludwig von Oettingen seinen Besitz in Salmannshofen den Schwestern von Hausen, einem abgegangenen Ort bei Heretsried. Die Stiftungsurkunde (5)vermerkt: „Nach gründlicher Überlegung haben wir bereitwillig aus Gottesfurcht und zu unserem und unserer Vorfahren Seelenheil alles, was uns an Eigentumsrecht sowie an Patronatsrecht an der dortigen Kirche zusteht, und was wir an Recht an Grundstücken, Äckern, Wiesen und Gehölzen in Salmannshofen unser eigen nennen und bis heute besitzen, den Klosterfrauen, die einst an einem Hausen genannten Ort saßen, jetzt aber an dem erwähnten Ort sich aufhalten, freiwillig und vollkommen ohne jedes Hindernis oder Widerspruch, übertragen und geschenkt.“ Dieses Frauenkloster „bekannte sich zur Regel des dritten Ordens des hl. Franziskus (ausdrücklich erwähnt durch Bischof Friedrich 1330 ...)“.(6)
Das Franziskanerinnenkloster hatte 120 Jahre lange Bestand. Bereits 1401 wird das Kloster wieder aufgelöst, die letzten vier Schwestern übergaben alle Güter und Rechte dem Kloster Holzen und nahmen die Regel und den Habit der dort lebenden Benediktinerinnen an (7). Die Äbtissin des Klosters Holzen hatte von nun an das Patronat über Salmannshofen und den Eichelehof (8).

 

Im April 1753 beendete Johann Lambert Kolleffel seine Beschreibung der Grafschaft Burgau (9). Daraus geht hervor, dass Salmannshofen noch im Besitz des Klosters Holzen war und dasselbe auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Affaltern hingegen stand unter der Herrschaft des Domkapitels wie Kolleffel vermerkt. Bereits 1489 kam der Ort in den Besitz des Domkapitels (10).


Nach dem Verkauf des Weilers Salmannshofen an das Augsburger Domkapitel am 29. Oktober 1753 wechselte auch die Grundherrschaft und das Patronatsrecht („Jus Patronatus mit der daselbstigen Pfarrkirchen und Kirchensatz“(11)) vom Kloster Holzen zum Domkapitel.

 

Wenn auch Affaltern der weitaus größere Ort war, so hat Salmannshofen doch zunächst seinen Pfarrsitz beibehalten. Weiterhin wohnte der Pfarrer im Pfarrhaus von Salmannshofen und die Kirche Sankt Johannes der Täufer war nach wie vor Pfarrkirche und Sankt Sebastian Filialkirche. Ab 1754 sind Bestrebungen im Gange, den Pfarrsitz nach Affaltern zu verlegen und dort ein neues Pfarrhaus zu errichten.

 

2. DIE KAPELLE SANKT SEBASTIAN

 

Die heutige Pfarrkirche von Affaltern ist 1697-98 nach Plänen von Valerian Brenner erbaut worden, der in unserer näheren Heimat auch die Kirchen in Biberbach und Prettelshofen und Turm, Sakristei und Chor von Achsheim erbaut hat (12).


In der ältesten Ehematrikel von Salmannshofen (13) ist die Grundsteinlegung der Kapelle St. Sebastian am 16. Juli 1697 durch den Kämmerer Pfarrer Anton Ginter aus Biberbach festgehalten. Anwesend waren der Ortspfarrer (parochus loci) und Bauherr Jakob Hörmann, an den heute noch eine Gedenktafel an der Ostwand der Kirche erinnert, ebenso die Geistlichen aus den benachbarten Pfarreien. Der Eintrag lautet: „Es ist zu bemerken, daß die alte und ruinöse Kapelle S. Sebastian mit Erlaubnis der Oberen völlig abgetragen wurde und der sehr Hochwürdige Herr Anton Ginter, Kämmerer und Pfarrer in Biberbach, in Anwesenheit der benachbarten Pfarrer am 16. Juli 1697 den Grundstein für die neu zu errichtende Kapelle gesetzt hat. ...Danach wurde der erste Teil (Turm und Chor) der Kirche im (am) neuen Turm am 3. Oktober 1697 vollendet“.


Offensichtlich ist das Langhaus erst in einem zweiten Bauabschnitt errichtet worden. Wie aus dem Vermerk von Pfarrer Hörmann hervorgeht, stand an derselben Stelle der heutigen Kirche ein Vorgängerbau. Dessen Existenz ist bereits für das Jahr 1617 nachgewiesen (14). Da im Raum Augsburg ab dem 15. Jahrhundert dem Heiligen Sebastian Kapellen geweiht sind (15), ist zu vermuten, dass die Affalterner Kapelle noch einen weiteren Vorgängerbau hatte.


Nach den Forschungen von Ingo Gabor im Staatsarchiv Augsburg wurden „1617 Ausbesserungen am Dach und am Langhaus durchgeführt. Aus diesem Jahr sind einige Gutachten und Überschläge erhalten ... Kleinere Reparaturen waren 1638 nötig und 1642 mußten das Kapellendach, das Dach und der Dachstuhl des Turms sowie die Sakristeiwand ausgebessert werden. In den Domkapitelsprotokollen der Jahre 1680 und 1686 wurde die Sebastianskapelle jeweils als ruinös bezeichnet und es wurden seitens des Domkapitels Augenscheine, Gutachten sowie Überschläge für Reparaturen durch Maurer- und Zimmermeister gefordert ...

 

Anfang November 1686 wurde ... als notwendig eingesehen, die Kapelle ganz abzutragen und auf einem trockeneren Untergrund neu und vergrößert zu errichten ... 1696 galt die Sebastianskapelle als baufällig und wieder wurden Augenschein und Gutachten eingeholt ... Man plante im Frühjahr 1697 mit dem Bau anzufangen unter der Bauleitung des Holzmeisters und Vogts zu Gersthofen. Im Februar 1696 wurde ein Überschlag von Valerian Brenner eingeholt, der mit über 2000 fl. (ohne das Bauholz) als zu teuer bezeichnet wurde. Aufgrund des Geldmangels sollte nur das Nötigste gebaut werden, nämlich der Turm und der Chor ... Schließlich wurde der Neubau (Chor und Turm) am 25. April 1696 an Valerian Brenner für 700 fl. vergeben, worin auch die Arbeit der Zimmerleute, Schlosser, Schmiede, Glaser sowie die Dachdeckung, der vergoldete Turmknopf und zwei Kreuze enthalten waren. Für den ‘ybrigen Kürchenbaw’ (das Langhaus) begehrte Brenner 1300 fl., ebenfalls ohne das Baumaterial, weshalb er vorerst zurückgestellt wurde.“ Mitte November 1697 war der erste Bauabschnitt fertig. Brenner wurde dann für einige Mängel verantwortlich gemacht, ebenso sollte er - der in Günzburg einen Eisenhandel betrieb - das alte Eisen und das alte Holz vom Vorgängerbau wieder hergeben, das er sich unredlicherweise angeeignet hatte. Der Bau muss dann doch zügig voran gegangen sein, denn am 6. Oktober 1698 „verlangte Valerian Brenner, mittels Augenschein festzustellen, ob alles dem ‘Abriß’ gemäß ausgeführt worden sei. Dieser Augenschein wurde vom Landpfleger Dr. Röls am 20. Oktober 1698 mit Zuziehung des Holzmeisters und unter Zuhilfenahme des beim Bauamt aufbewahrten Risses eingenommen. Das Langhaus war gerade vollendet. Wieder kam es zu Beanstandungen, wie z.B. das schlechte Glas der Langhausfenster. Auch wurde festgestellt, daß Brenner das Langhaus um 51/2 Schuh länger gebaut habe, als im Verding vereinbart gewesen war. Eine weitere Beanstandung bezog sich auf die doppelte Fenstervergitterung, wozu Brenner laut Abriß nicht verpflichtet gewesen war. Dr. Röls wollte Brenner 50 fl. vom Akkord abziehen.“


Pfarrer Hörmann beklagte noch 1712 in einem Brief an das Domkapitel die hohen Kosten, die der Kirchenbau durch Valerian Brenner verursacht habe (16).

 

3. DER WECHSEL DES PFARRSITZES VON SALMANNSHOFEN
NACH AFFALTERN

 

Im Staatsarchiv Augsburg ist ein sehr umfangreicher Akt, der die Korrespondenz zum Wechsel des Pfarrhofes von Salmannshofen nach Affaltern enthält (17). Darin liegt ein Gutachten des Obervogtes Georg Hoffmann von Gersthofen an das Domkapitel mit der Fragestellung, ob die Kirche in Affaltern so groß sei, „daß selbige zu einer Pfarrkirchen applicabel wäre“? Es ist datiert vom 19. Januar 1754, also nicht einmal drei Monate nachdem der Weiler Salmannshofen in den Besitz des Domkapitels kam. Auch sollte die Gemeinde vernommen werden, wie sie dazu steht, wenn von seiten des Domkapitels die Transferierung des Pfarrhofes nach Affaltern beschlossen werden sollte.


Der Augenschein ergab, daß die Kirche in Affaltern sowohl, was die bauliche Substanz, als auch die Größe betraf, in einem besseren Zustand sei als die Salmannshofer Kirche. Bei jener neige sich der Turm. Ebenso sei der Pfarrhof in Salmannshofen baufällig. Im übrigen hätte die Gemeinde Affaltern genügend Platz für einen neuen Pfarrhof, einen dazugehörigen Stadel und Garten. Ausdrücklich bittet die Affalterer Gemeinde um die Einsetzung eines Pfarrherrn in ihrem Dorf.


Im selben Akt befindet sich ein sehr aufschlußreicher Brief von Pfarrer Johann Joachim Keller an den Generalvikar Prälat Nicolaus Antonius Seiz, Vorsitzender des Geistlichen Rates, datiert vom 19. April 1756. Als Kämmerer des Dekanates hatte Keller ebenfalls die „Situation der Pfarrei Salmannshofen und Affaltern“ mit Hinzuziehung des Kirchenpflegers von Salmannshofen in Augenschein genommen (18). Seinem Gutachten sind drei Anlagen beigelegt:

 

1. Eine Skizze der Kirche Sankt Sebastian mit Maßangaben und Bankreihen (Abb. 6).

2. Eine Skizze der Pfarrkirche in Salmannshofen. Es dürfte wohl die einzig existierende Zeichnung dieser abgerissenen Kirche sein (Abb. 7).

3. Eine Skizze mit den Ortschaften Affaltern, Biberbach, Salmannshofen, Feigenhofen, Balletshof, Eichelhof und Dennhof (Abb. 8). Keller ist selbst die einzelnen Orte abgeschritten und hat die Schrittzahl zwischen den Ortschaften exakt angegeben.

 

Das Ergebnis seines Gutachtens hat er in sieben Punkten zusammengefaßt:

 

1. Die Kirche von Affaltern sei groß genug, um die Pfarrkinder zu fassen. Selbst bei Prozessionen anderer Pfarreien mit Kreuz und Fahnen, welches cirka 20 mal im Jahr geschieht, finden darin noch alle Platz.
2. Die Translokation des Pfarrsitzes von Salmannshofen nach Affaltern wäre zweifelsohne zur größeren Ehre Gottes, da der Hirte bei „dem größeren Hauffen seiner Herd als nur bey 4 einzigen Haushaltungen so tags als nachts gegenwärthig ist“. Keller habe „der kleinen Gemeind Salmatshofen, als sie ihre Beschwerden bey mir eingewendet, vorhinein gesagt, sie werden darmit nicht hinauß langen, sonder darmit der größern Gemeind Affalteren das Hefft selbstig in die Hand geben“.
3. Die geistliche Lehre an den Sonntagen könnte bei einer Translokation der Pfarrei „bey dem größten Theil deren Pfarrangehörigen“ gehalten werden.
4. Beide Kirchen hätten eine Renovierung nötig. Die Salmannshofer Kirche sei zwar erst 1726 „für die größte Noth in etwas renoviert worden“, trotzdem drohe das Türmlein einzustürzen und die Decke falle herab. Die Affalterer Kirche stehe auf „wässerigen Grund“. Die Mauern sind innen und außen vom Fundament her grün und halb verfault. Dennoch scheint sie in einem besseren Zustand zu sein.
5. Der von den Affalterern vorgesehene Platz für den Pfarrhof, ganz nahe bei der Kirche, ist wegen der Wassergräben und des vielen Mooses nicht zu gebrauchen. Er wäre ausgesprochen ungesund.
6. Die Pfarrkinder führten Keller auf einen „Platz des Kerschbaumers“, welcher schon einmal vorgeschlagen worden war, ein trockener Ort, ca. 200 Schritte von der Kirche entfernt und auf einem Hügel liegend. Sie sagten ihm, man könne an diesem Ort, weil gleich Wasser käme, das Haus nicht unterkellern. Der Kämmerer war da anderer Meinung, und im übrigen könnte man das ja auch im Moos nicht.
7. Die arme Gemeinde scheint den ersten Platz im Moos wohl deswegen zu bevorzugen, da es ihr eigener Grund ist und somit gratis, hingegen müsse der zweite Platz erst gekauft werden. Keller schlägt einen Tausch der Grundstücke vor und man solle dem Kerschbaumer anstelle seiner baufälligen Hütte eine neue Wohnung bauen. Langfristig sei dies kostengünstiger als ständige Reparaturen an einem Haus, das im Moos steht.

 

Nachdem der Kämmerer J.J. Keller sich eindeutig für einen Wechsel des Pfarrsitzes nach Affaltern ausgesprochen hatte, so dauerte es doch noch ein ganzes Jahr bis endlich am 2. April 1757 ein erster Überschlag über die Kosten für einen neuen Pfarrhof in Affaltern vom Zimmermeister Joseph Steinle aus Geratshofen erstellt wurde.


Offenbar muß bald danach mit der Errichtung des Pfarrhofes in Affaltern begonnen worden sein, denn am 27. Juni 1757 läßt der Vogt von Gersthofen im Domkapitel nachfragen, ob der Maurermeister Paul „per aversum“ (Abschlag) oder nach Tagelohn bezahlt werden solle. Am 11. Juli verpflichtet sich die Gemeinde Affaltern im Falle, daß der Pfarrhof durch Brand oder höhere Gewalt zerstört werde, diesen wieder aufzubauen. Sollten die eigenen „Heiligen Mittel“ (der Kirchenstiftung) dazu nicht ausreichen, setzt die Gemeinde ihr Holz als Pfand ein (19). Die Arbeiten müssen zügig vorangegangen sein, denn bereits am 19. September 1758 verfaßt der Obervogt Georg Hoffmann die abschließende „Berechnung über den Neu erbauten Pfarrhoff und Stadl, dann Herstellung eines gantzen neüen Hoff und Garten zu Affaltern“. Die Summe der Ausgaben betrug 3430 Gulden und 3 Kreuzer. Aus dieser Endabrechnung geht auch hervor, daß der Maurermeister Paul in der Sitzung des Domkapitels vom 27. Juni 1757 den Auftrag erhalten hatte.
1757 wird in den Generalvikariatsprotokollen im Bistumsarchiv von der „neuen Pfarrkirche“ gesprochen, gemeint ist St. Sebastian in Affaltern, aber noch ist kein Wechsel des Pfarrsitzes vorgenommen worden. Laut Protokoll von der Sitzung am 26.11.1757 berichtet der „Pfarrer von Salmannshofen“, daß wegen der schlechten Beschaffenheit der Kirche das St. Albanus Bruderschaftsfest dort nicht mehr abgehalten werden könne, auch bittet die Bruderschaft, in die neue Pfarrkirche übersetzen zu dürfen. Das Domkapitel entschied: Weil die Bruderschaft ohnehin mit den pfarrlichen Gottesdiensten in die neue Pfarrkirche wechseln würde, mag Herr Pfarrer das Fest nach Belieben halten wo er will (20).
Die Beschreibung der Pfarreien des Dekanates Westendorf, welche 1695 von Dekan Johann Sold begonnen und von Dekan Bauttenbacher 1785 weitergeführt wurde (21), enthält einige wichtige Details zum Wechsel der Pfarrei und des Pfarrwohnsitzes von Salmannshofen nach Affaltern. Leider ist keine exakte Jahreszahl genannt:

 

„Apfltrach oder Affaltern, zuvor Salmannshofen

Einst hatte die Hochw. Äbtissin des Klosters in Holzen das Patronatsrecht. Mit dem Verkauf von Wald und Gut Salmannshofen an das Hochw. Domkapitel zu Augsburg ging auch das Patronatsrecht an dasselbe über. Die Pfarrkirche S. Johannes der Täufer in Salmannshofen ist im Jahr 175? unter Dekan Waibl sel. And. völlig abgetragen worden, ebenso der Friedhof, zurück blieb an dem selben Ort lediglich eine kleine Kapelle. Das neue Pfarrhaus wurde von Grund auf in Affaltern errichtet und damit zugleich der Pfarrsitz wie auch die Hauptkirche selbst, welche zuvor Filiale war, dorthin verlegt.“ (22)


In welchem Jahr wurde nun der Pfarrsitz nach Affaltern verlegt? Dekan Bauttenbacher weiß es nicht mehr genau und schreibt „175?“. Pfarrer Franz Xaver Berger, der die Gemeinde Affaltern von 1782 bis 1810 betreute, bemerkt in der von ihm zusammengestellten Namensliste der Geistlichen (23), daß unter Pfarrer Bernhard Klaiber „im Jahr 1758 die Pfarrei von Salmannshofen nach Affaltern übertragen wurde“. Diese Jahreszahl deckt sich auch mit dem Eintrag der ersten Taufe in St. Sebastian (Abb. 10). Die Taufmatrikel vermerkt im Jahr 1758: „Am 29. April wurde in der Kirche St. Sebastian, jetzt Pfarrkirche, zum erstenmal getauft: Albana, die legitime Tochter der ehrenhaften Eltern Alban Mangold sel. And. und seiner Gattin Maria. Taufzeugen waren Simon Mair und Maria Magdalena Gerstmaier aus Emersagger.“ (24) Seitlich ist aus der Hand Pfarrer Klaibers vermerkt „Übertragung der Pfarrei“ (translatio parochiae).

 

Im Jahr 1758 sind zunächst fünf Taufen eingetragen worden. Die fünfte Taufe erfolgte am 20. März. Danach steht der obige Eintrag der ersten Taufe in der neuen Pfarrkirche vom 29. April. Demnach muß der Pfarrsitzwechsel zwischen dem 20. März und dem 29. April 1758 stattgefunden haben. Bereits wenige Tage später wurde in der Sitzung des Domkapitels vom 5. Mai der Verkauf des Pfarrhofs von Salmannshofen an den dortigen Müller Kaspar Bärthele bestätigt (25). Der Kaufpreis betrug 500 Gulden. Der Pfarrer war zu diesem Zeitpunkt also sicher schon ausgezogen.


Für die Richtigkeit der Jahreszahl 1758 spricht auch ein Eintrag in der Sterbematrikel. Nachdem mit dem Abriß der Kirche St. Johannes der Täufer (26)auch der Friedhof in Salmannshofen aufgelassen worden war, brauchte die Pfarrgemeinde einen neuen. In Zusammenhang mit der ersten Beerdigung auf dem neuen Friedhof in Affaltern (beerdigt wurde am 19.11.1758 das Kind Josephus Zeller aus Affaltern) erwähnt die Sterbematrikel, daß der Kämmerer und Pfarrer von Biberbach Johann Joachim Keller mit Erlaubnis der Oberen am 9. Oktober 1758 den Friedhof in Affaltern gesegnet hat.

Somit kann abschließend gesagt werden, daß die berechtigten Wünsche der Affalterer Gemeinde nach einem eigenen Pfarrsitz 1758 endlich in Erfüllung gingen. Auslöser für diese Entwicklung war der Verkauf des Weilers Salmannshofen vom Kloster Holzen an das Domkapitel im Herbst 1753.


Im Jahr der Transferierung des Pfarrsitzes 1758 wurde auch der Friedhof in Affaltern eingeweiht, fand die erste Taufe in der Kirche Sankt Sebastian statt und der Pfarrer wohnte im neu errichteten Pfarrhaus. Dieses ist nach 202 Jahren 1960 abgerissen worden (27). Die Älteren erinnern sich noch daran. Daneben war unter Pfarrer Brümmer in den Jahren 1957/58 (28)das jetzige Pfarrhaus erbaut worden, welches wir heute am 6. Juni 1999 - nach zweijähriger Umbauzeit - für die Zwecke der Pfarrgemeinde Sankt Sebastian als Pfarrheim segnen.

 

(Den kompletten gedruckten Artikel mit allen Anmerkungen und Abbildungen können Sie bei der Kirchenverwaltung Affaltern gegen einen Unkostenbeitrag erhalten. Er ist in der Festschrift zum Albanifest 2005 abgedruckt.)

 

Anmerkungen

 

1) „Urbarium der Pfarrei Salmetshofen“ aus dem Jahr 1728 von Pfarrer Andreas Straubner, Staatsarchiv Augsburg, Kloster Holzen Nr. 107.
2) Der Text im Urbarium lautet: Die Pfarrkirche ist „1262 das erste Mal erbaut worden, wie solches ober dem Kirchen Pordal in einem vieröggert Stein eingehauen zu lesen gewesen, da aber selbiger Theil wegen nothwendiger Baufälligkeit anno 1726 ist abgebrochen, und widerumb non aufgefiehret worden, ist solcher verlohren gangen.“
3) Das Klostersiegel von Salmannshoven zeigt Johannes den Täufer. Es ist abgebildet bei W. Pötzl, Kirchengeschichte und Volksfrömmigkeit, S. 68. Augsburg 1994.
4) Die Inschrift auf der Grabplatte war in romanischer Schrift und lautete: „Conradus Lutz I. Paroch in Salmetshoven et Aichertshoven pie obijt MCCLXIIII, V. Cal. Junij“. Pfarrer Lutz starb also fünf Tage vor dem 1. Juni 1264.
5) Die Stiftungsurkunde des Klosters Salmannshofen war bis 1949 im Pfarrarchiv Biberbach. Sie wurde vom Mainzer Stadtarchivar Richard Dertsch aufgefunden. Heute befindet sie sich im Fürstlich Öttingen Wallerstein’-schen Archiv auf Schloß Harburg (FÖWAH) unter der Signatur U. I. 68a. Laut Auskunft der Archivverwaltung befindet sich in der Urkundentasche folgender Text, datiert vom 10.2.1949: „1949 vom katholischen Pfarramt Biberbach erworben. Siehe Benützerakten.“ In den Benützerakten konnte aber keine weitere Information gefunden werden. Freundlicherweise hat Prof. Dr. Kreuzer die Urkunde übersetzt. Nach seiner Übersetzung wird hier zitiert.
6) Archiv für die Geschichte des Hochstifts Augsburg. Im Auftrag des Histor. Vereins Dillingen hrsgb. von Dr. Alfred Schröder, Bd. VI, Selbstverlag, Dillingen 1929, S. 737
7) Siehe hierzu BAVARIA FRANCISCANA ANTIQUA. Vierter Band 1958. Hrsgb. Bayerische Franziskanerprovinz. Lentner’sche Buchhandlung, München, S.359-365, bes. 364f.
8) Im Jahr 1330 wurde Eichenhofen - eine abgegangene Ortschaft bei Feigenhofen mit einer Kirche, die dem Hl. Leonhard geweiht war - der Pfarrei Salmannshofen eingegliedert. Siehe dazu W. Pötzl, Kultgeographie des Bistums Augsburg IV, Die Patrozinien in den ehemaligen Landkapiteln Wertingen und Westendorf, S. 154. Im Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte, 1980.
9) Johann Lambert Kolleffel. Schwäbische Städte und Dörfer um 1750, Tafelband. Hrsg. Robert Pfaud. Anton H. Konrad Verlag 1974, S. 150. Veröffentlicht in: Beiträge zur Landeskunde von Schwaben, Band 2.
10) Historischer Atlas von Bayern. 1967. Schwaben Heft 3. Wertingen. Bearb. Von Klaus Fehn. Hrsg. Kommission für Bayerische Landesgeschichte, S. 20f.
11) Die Kaufurkunde befindet sich im Staatsarchiv Augsburg, Augsburger Domkapitel, Akt Nr. 8452.
12) Norbert Lieb. Die Vorarlberger Barockbaumeister. Schnell und Steiner. München 19763. S. 86f.
13) Die Ehematrikel ist geführt von 1664-1720, Archiv des Bistums Augsburg (ABA, Affaltern 1).
14) Ein ganz herzlicher Dank geht an Herrn Ingo Gabor, der mir noch vor der Präsentation seiner Doktorarbeit über Valerian Brenner die zehn Seiten, welche die Kirche von Affaltern betreffen, zur Verfügung gestellt hat. Eine verbindliche Seitenangabe der Zitate ist deshalb nicht möglich gewesen.
Ingo Gabor. Der Vorarlberger Barockbaumeister Valerian Brenner (1652-1715). Leben und Werk (Monographie). Dissertation an der Kath. Universität Eichstätt. Fach: Kunstgeschichte. Betreuer: Prof. Dr. N. Knopp. Zweitgutachter: Prof. Dr. W. Pötzl.
15) Siehe W. Pötzl, Kultgeographie des Bistums Augsburg IV, S. 148 (Anm. 8).
16) Die Quellen, die Ingo Gabor im Staatsarchiv Augsburg eingesehen hat, sind nachfolgend aufgeführt: Hochstift Augburg, NA, Akt. Nr. 3820, 5587, 5590/I, 5593, 5594, 5595. 5596, 5600, 5602, 5603, 5604/I, 5604/II, 5620.
17) Staatsarchiv Augsburg, HA, NA, Akten 3822
18) Keller ist bereits am 5. Juli 1755 in der Sitzung des Geistlichen Rates beauftragt worden, in der Frage eines Pfarrhofneubaus Erkundigungen einzuholen. (ABA, GR Pr 4, S. 210). Wegen einer ernstlichen Erkrankung war es ihm nicht möglich, der Sache früher nachzugehen.
19) „Actum Affalteren den 11. Juli 1757“, verfaßt vom Obervogt Johann Georg Hoffmann (ABA, Die im Bistumsarchiv vorhandenen Akten zu Affaltern sind noch nicht geordnet.). Dieses Protokoll enthält auch die Namen der Bevollmächtigten der Gemeinde Affaltern: Barthel Probst Wirt, Peter Posch Mayr, Kaspar Kühner Hoffbaur, Martin Bosch Holzwarth, Ulrich Libppert Söldner, Georg Wagner Söldner, Matheis Heimb Söldner und Gemeindeführer, und Hans Bühler Söldner und Gemeindeführer.
20) ABA, GVPr 30, Sitzung vom 26.11.1757. Ein herzlicher Dank geht an Herrn Feuerer vom Bistumsarchiv Augsburg für seine Hilfe und auch an Herrn Dr. Kosel.
21) Die „Descriptio“ des Dekanates Westendorf, begonnen 1695 durch Joann. Bapt. Sold liegt verfilmt in ABA vor.
22 )„Apfltrach seu Affaltern, antehac Salmetshoffen
Olim habebat jus Praesentandi Parochum Rvma. Abbatissa illustris Monastery in Klosterholzen, ab eodem autem monasterio divenditis Rvm. Capitulo Ecclesiae Cathedralis Augustanae Sylvis praedijsque Salmetshofensibus ad idem Rvm. Capitulum transiit jus praesentandi p.
Adde, quod est Ao 175? sub Decano Waibl p. m. Ecclesia Parochialis S. Joannis Baptistae in Salmetshofen totaliter sit destructa cum Caemeterio, relicta solumodò eodem loco capella exigua. In Affaltern vero nova domus Parochialis e fundamento erecta, unaque illuc tam Sedes Parochialis qua ipsa matrix Ecclesiae, quae prius filialis erat, sit translata.“
23) Diese Liste befindet sich lose eingelegt im Taufbuch A (Bd. III) von Affaltern (Pfarrarchiv Biberbach).

Diese Namensliste wurde zusammengestellt aus einer bereits bestehenden, die sich im Taufmatrikel A (Bd. III) von Affaltern (Pfarrarchiv Biberbach) befindet und von Pfarrer Franz Xaver Berger erstellt wurde, ergänzt durch den Generalschematismus der Diözese Augsburg (ABA, Bd. III Dekanat Westendorf) und aus einer Liste des Dekans Johann Nepomuk Bauttenbacher von 1785, Pfarrer in Hirschbach (ABA).
Im Bistumsarchiv sind 22 Urkunden von Salmannshofen erhalten, die früher im Pfarrarchiv Affaltern aufbewahrt wurden. In der Urkunde 1 vom 24. April 1293 vermacht der Priester Mathyas nach seinem Tod alle seine Güter dem Kloster Salmannshofen. “Mathias wird noch 1303, 1307 und 1309 erwähnt; wahrscheinlich auch noch 1318, wenn der im Holzener Briefbuch verzeichnete Priester ‘Zachias’ verlesen ist.“ (Siehe Archiv für die Geschichte des Hochstifts Augsburg. Im Auftrag des Histor. Vereins Dillingen hrsgb. von Dr. Alfred Schröder, Bd. VI, Selbstverlag, Dillingen 1929, S. 739).

24) ABA, Taufbuch, Affaltern 2. Diese erste Taufe war wohl auch ein recht trauriges Geschehen, denn der Vater des Täuflings war sieben Tage zuvor am 22. April 1758 in Salmannshofen begraben worden.
25) Staatsarchiv Augsburg, Augsburger Domkapitel, HA, NA, 5658. Sitzung vom 5. Mai 1758
26 )Laut Bayerische Kunstdenkmale, Ehemaliger Landkreis Wertingen von Hans Jakob Wörner, S. 209f., wurde die Kirche 1758 abgebrochen und die Steine für den Bau des neuen Pfarrhofs in Herbertshofen verwendet.
27) Laut freundl. Auskunft der Verwaltung des Marktes Biberbach ist in der Gemeinderatssitzung von Affaltern am 16.10.1960 beschlossen worden, daß der alte Pfarrhof von der Gemeinde Affaltern abgebrochen wird. Der Erlös steht der Gemeinde allein zur Verfügung. Pfarrer und Kirchenverwaltung stimmen dem zu. Am 30.11.1960 wird bereits eine Einnahme gebucht.
28) Am 16.8.1958 teilte das Diözesanbauamt der Kirchenverwaltung mit, daß der Pfarrhof nun bezugsfertig sei (ABA, Pfarrhof Neubau 1957/58).
Dieser Akt enthält auch einen Plan vom Erd- und Obergeschoß des alten Pfarrhofs, erstellt vom Diözesanbauamt am 18.9.1954. Man überlegte damals, ob es sich lohne den alten Pfarrhof zu erhalten.


Weitere Informationen

bei der Kirchenverwaltung unter der

E-Mail: info@st-sebastian-affaltern.de